Wednesday, October 10, 2012

Loving him was red!


Lied des Tages: Taylor Swift - Red

Liebe Leser,

ich möchte endlich über das Thema schreiben, das mir schon seit ungefähr einem Monat durch den Kopf geht. Da wurde mir nämlich die Frage gestellt, ob ich glaube, dass ich verwöhnt sein werde, wenn ich wieder nach Deutschland komme. Wie jede Frage habe ich sie beantwortet, doch sie lässt mich nicht in Ruhe, denn ich habe einmal gelernt, dass Fragen nicht nur etwas über den aussagen, der antwortet, weil der sie beantworten muss, sondern auch über den, der sie stellt. Und dass mir eine solche Frage gestellt wird, finde ich, ich muss es zugeben, etwas verwunderlich. Ich habe nämlich jetzt das Gefühl, dass sich alles, was ich erzähle und hier schreibe, etwa so anhört, als würde ich hier im reinen Paradies leben und als wäre alles so großartig und wunderschön und als würde mir mehr erfüllt als mir gut tut.
Das ist die eine Seite.
Die andere Seite, die mich an dieser Frage verwundert, ist: War ich denn bevor ich hierher kam nicht verwöhnt?
Als ich jünger war und auch jetzt manchmal noch, musste ich mir in der ein oder anderen Situation von meinen Eltern anhören: „Du bist ein so verwöhntes Kind, du weißt gar nicht, wie gut du’s hast“ oder so ähnlich. Wenn ich als Kind darüber innerlich die Augen verdrehte oder später ein gedehntes „jaaa, weiß ich doch“ zur Antwort gab, so verstehe ich heute, vor allem auch durch meine Asienreise hier, dass dieser Satz natürlich wahr ist. Ich bin verwöhnt. Genau wie fast jedes andere Kind in Deutschland auch. Uns fehlt es ja nun wirklich an nichts. Wir haben genug zu essen, zu trinken, wir haben ein (meist gutes) soziales Umfeld, unsere Eltern würden alles für uns tun und was die mordernste Technik angeht fehlt es uns auch an nichts. Das fängt beim Wasserkocher an und endet beim neusten iPhone.
Bevor ich begann diesen Artikel zu schreiben, schlug ich nach, was der Duden zum Thema „verwöhnt sein“ sagt und fand folgende Antwort:

Jemanden durch zu große Fürsorge und Nachgiebigkeit in einer für ihn nachteiligen Weise daran gewöhnen, dass ihm jeder Wunsch erfüllt wird.

Das ist eine sehr treffende Definition, finde ich. Ich merke gerade, wie schwierig es wird, hierüber zu schreiben, aber lasst es mich versuchen. Werde ich verwöhnt sein, wenn ich zurück nach Deutschland komme? Die Antwort ist ja. Aber nicht verwöhnter als ich vorher war. Das ist für mich der springende Punkt, denn ich sehe es nämlich eher anders herum. Ich glaube, ich wäre viel verwöhnter, wenn ich in Deutschland geblieben wäre.
Ich bin in der Hinsicht verwöhnt, dass ich mir bestimmte Dinge aufgrund meiner Lebensweise einfach nicht vorstellen kann. Zum Beispiel wäre ich ohne Strom oder ohne fließendes Wasser verloren. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, morgens keinen Kaffee zu trinken. Ich fände es schrecklich, wenn Mama nicht hin und wieder meine Lieblingsschokolade zu Hause hat und könnte ich nicht jede Ferien meine Oma besuchen fahren, würde es mir auch sehr schlecht gehen. Ich finde an diesen materiellen Dingen sieht man schon, wie verwöhnt ich bin. Kinder in Indien oder Afrika sind froh, wenn sie überhaupt fließendes und sauberes Wasser haben und alles, was mich kümmert, ist, ob der Akku von meinem iPod noch genug geladen ist, damit ich eine längere Fahrt überlebe.
Wir sind aber noch in anderen Dingen sehr verwöhnt. Ich beispielsweise könnte auch nicht ohne meine besten Freundinnen oder ohne meine Mama und den Rest meiner Familie leben. Da würde ich aber gehörig aus der Wäsche gucken, wenn sie nicht mehr da wären.

Jetzt, wo ich hier bin, lerne ich das alles ein bisschen besser verstehen. Ich schätze einfache Dinge viel mehr. Ich schätze die dicke Bettwäsche in Deutschland, weil man hier nur mit einem Laken schläft. Mir steigen beinahe die Tränen in die Augen, wenn ich auf Bildern deutscher Blogs sehe, dass die Blätter sich jetzt herbstlich färben, weil ich die Jahreszeiten vermisse. Wenn jemand daheim Geburtstag hat, zerreißt es mich, dass ich nicht da sein kann und wenn ich eine gute Note geschrieben habe, vermisse ich es von Mami umarmt zu werden. Gleichzeitig sehe ich aber auch, wie viel ich besitze. Es gibt hier so viele heruntergekommene Gebäude und Hütten in denen die Menschen teilweise leben und immer, wenn ich daran vorbeigehe oder fahre, bin ich dankbar, dass es mir vergleichsweise einfach verdammt gut geht und wenn man seinen Standard einfach ein bisschen herabsetzt und nicht so hohe Ansprüche hat, lebt es sich so viel besser.
Ich werde verrückt bei dem Gedanken daran, im Dezember auf dem Weihnachtsmarkt bummeln zu können, weil ich jetzt zwei Jahre lang keinen gesehen habe und er für mich etwas sehr Besonderes geworden ist.
Jeden Abend male ich mir im Bett aus, wie meine kleine Schwester mir am Leipziger Hauptbahnhof, wenn ich mit dem Zug endlich, endlich ankomme, entgegenrennt. Es gibt für mich einfach nichts Schöneres. Ich freue mich wahnsinnig auf diesen Moment.

Ich verliere mich in Vorstellungen wie ihr sicher merkt, aber ich denke, was ich sagen und ausdrücken wollte, konnte ich „verschriftlichen“ und euch mitteilen. Da fällt immer gleich etwas von einem ab, wenn man über etwas schreibt, das einen so sehr beschäftigt. Ich denke, ich bin verwöhnt, ja. Ich denke aber auch, dass alle, die das hier lesen werden auch „verwöhnt“ sind, weil ich glaube, dass wir das alle vergleichsweise irgendwie sind. Es ist nur gesund, wenn wir uns mal vor Augen führen, wie alles wäre, wenn bestimmte Personen oder Dinge oder Einrichtungen, die wir für selbstverständlich halten, nicht mehr da sind. Aber zu glauben, ich käme verwöhnter und so verstehe ich die Frage nun einmal, als vorher zurück, ist meiner Ansicht nach falsch.

Ich wünsche euch eine schöne Restwoche. Ich für meinen Teil habe mir heute ein neues Buch ausgeliehen und kann es nicht abwarten mit dem Lesen zu beginnen. J
Eure Sarah
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Hallo, ich bin Sarah, komme aus Leipzig und teile hier einen Teil meiner Erfahrungen, die ich während meines Auslandsaufenthaltes in Kuala Lumpur mache. Ich mag es zu reisen egal wohin; mein liebstes Ferienziel ist die Ostsee. bin ich gerade mal nicht unterwegs beschäftige ich mich viel mit kunst, der mode und dem zeichnen.

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