Friday, June 14, 2013

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Paper Towns.

Beste Leser,

wie ihr ja schon aus dem Balieintrag wisst, hatte ich mir für unsere Abschlussreise nach Indonesien den Roman "Margos Spuren" ("Paper Towns" im Original) von John Green ausgeliehen.
Ich fand es bisher ja immer voll übertrieben, wenn Leute gesagt haben "OH, DIESER ROMAN HAT MEIN LEBEN VERÄNDERT!" weil das voll oft irgendwelche Übertreibungen sind und dann hat man voll hohe Erwartungen an ein Buch und es stellt sich heraus, dass man es selbst gar nicht so toll findet. Tja, das war meine Meinung bis ich "Margos Spuren" gelesen hatte, denn es hat wirklich mein Leben verändert in dem Sinne, dass es meine Lebenseinstellung verändert hat. Es war also doch gut, dass wir auf Bali in den ersten Tagen so viel Zeit hatten. So konnte ich "Margos Spuren" fast dreimal durchlesen.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive des Teenagers Quentin geschrieben, der als Einzelkind mit seinen Eltern in Florida wohnt. Er hat zwei beste Freunde: Ben, der sich nur für den bevorstehenden Abschlussball und für Mädels interessiert und Radar, ein schwarzer Teenager, der hochintelligent ist und eine Website betreibt. Radars Eltern sammeln schwarze Weihnachtsmannfiguren und haben die weltweit größte Sammlung. Quentin wohnt in einem Haus neben seiner Schulkameradin Margo Roth Spiegelmann. Sie haben aber nicht viel miteinander zu tun, doch Quentin ist in Margo verliebt. Eines Tages taucht sie an seinem Fenster auf und fordert ihn mitten in der Nacht dazu auf mit ihr durch die halbe Stadt zu fahren, da sie 11 Dinge erledigen muss. Natürlich sagt Quentin nicht nein und wird, wie es auf dem Buchumschlag heißt, "für eine Nacht Teil des Margo-Universums". Allerdings ist Margo am nächsten Tag spurlos verschwunden und kommt nicht mehr zur Schule. Zusammen mit seinen Freunden beginnt Quentin mittels der Hinweise, die Margo hinterlassen hat, herauszufinden, wo sie ist. Als sie schließlich eine Idee haben, fahren Quentin, Ben, Radar und Bens Freundin Lacey Pemberton los um Margo zu finden.

Hört sich jetzt erstmal nicht so spannend und besonders an, aber es ist einfach die Art wie John Green schreibt, die ich sehr mag und die Stelle, die mich persönlich vom Hocker gerissen hat, ist Folgende:
(Das sagt Radar in der Mitte des Buches zu Quentin)

"Weißt du, was dein Problem ist, Quentin? Du erwartest von den Leuten, dass sie besser sind, als sie sind. Ich meine, ich könnte dich dafür hassen, dass du immer zu spät bist und dass du dich nie für irgendwas anderes interessierst als Margo Roth Spiegelman und nie nachfragst, wie es mit meiner Freundin so läuft - aber ich seh's nicht so eng, Mann, weil, so bist du eben. Meine Eltern haben einen Fimmel für schwarze Weihnachtsmänner, aber das ist okay. So sind sie eben. Wie oft bin ich mit meiner Streberwebsite beschäftigt. Zu beschäftigt, um ans Telefon zu gehen, wenn meine Freunde anrufen oder meine Freundin. Das ist auch okay. So bin ich eben. Du hast mich trotzdem gerne. Und ich habe dich gerne. Du bist lustig und du hast was in der Birne, und auch wenn du zu spät kommst, kommst du immer irgendwann. [...] Ich meine nur: Hör auf zu denken, dass Ben so wie du sein soll, und Ben muss aufhören zu denken, dass du mehr wie er sein sollst und dann können wir alle ein bisschen chillen, Mann."

Das ist die Stelle, die mir vor Augen geführt hat, was mein Problem war: Ich erwarte von allen immer, dass sie in einer Situation so handeln würden, wie ich es auch tun würde und wenn sie es dann aber nicht tun, werde ich ärgerlich und werfe es ihnen innerlich vor. In dem Roman von John Green geht es im Prinzip die ganze Zeit darum, dass man oft andere Vorstellungen von Menschen hat und dass sie sich dann aber als etwas ganz anderes entpuppen, weil man sie immer aus einer verzerrten, falschen Sicht gesehen hat und sich nicht mal ansatzweise die Mühe gibt oder es einem in den Sinn kommt, sie anders zu sehen.

Ich habe das Beispiel dann mal auf mich übertragen: Ich meine, ich bin überperfektionistisch, überordentlich, pingelig und strebermäßig ehrgeizig, aber nur weil bei  mir beispielsweise immer alles megaordentlich sein muss, kann ich nicht von anderen erwarten, dass sie genauso sind. Ich bin halt so. Wenn aber jemand anders lieber in einem unordentlichen Chaos lebt, dann ist das halt auch okay. Natürlich, das ist logisch und klar und wahrscheinlich war es das für euch alle auch schon bevor ich diesen Eintrag verfasst habe, doch für mich war der Roman und gerade eben diese Stelle augenöffnend, weil ich ein Mensch bin, der sich oft unnötigerweise über Dinge aufregt.
Erst seit ich Greens Roman gelesen habe, ist das irgendwie anders, weil ich mir halt denke "Passt doch. So sind sie eben." Es lebt sich viel leichter, wenn man sich überlegt, warum man die Person über deren Eigenschaft man sich gerade wieder aufregt, gern hat, denn dafür gibt es ja Gründe.

Ich fand das so toll in dem Roman beschrieben. Er hat eben genau das rübergebracht, was ich unterbewusst nie verstanden habe. In meinem Tagebuch hab ich das Beispiel über mich so verfasst:

"Ich mache mir viel zu selten bewusst, wie reich ich eigentlich bin (materiell und nicht materiell gesehen); ich habe oft vor den sinnlosesten Dingen Angst, mache Stress und heule schnell los. Ich habe eine verrückte Beziehung zu Essen und gehe nicht so gerne in Bars oder Clubs wie andere Jugendliche in meinem Alter. Oft bin ich viel zu materiell und nur oberflächlich an Dingen interessiert. Ich habe so oft "Gossip Girl" gesehen, dass es beinahe schon kriminell ist, aber das ist ok, weil, so bin ich eben. Ich spiele gut Geige und kann Mama und Papa zum Lachen bringen. Ich lese, koche und backe viel, bin sauber und immer gut organisiert und Mama, Papa, der Rest meiner Familie und meine Freundinnen haben mich lieb und ich habe sie lieb und das ist toll und ich habe es leider nur vorher noch nie so gesehen. [...] Die Leute sind halt wie sie sind. Natürlich ist es nicht ok, wenn jemand 'so ist', dass er Kriege anfängt, aber das meine ich nicht. Ich meine den Menschen mit all' seinen Fehlern und Vorzügen und jetzt kann ich die Welt wieder lieb haben."
Reaktionen:

1 Kommentare:

Anonymous said...

Ich habe das Buch auch gerade gelesen und mir ging es
genauso wie dir. Ich habe auch angefangen, über mich und
andere Menschen nachzudenken, was ich von mir denke und
was andere von mir denken und wie ich vielleicht sein möchte,
aber auch, wie ich andere sehe.
Dieses Zitat von Radar hat mich auch sehr zum Nachdenken
gebracht, wenn alle Menschen so denken würden und andere
so akzeptieren würden, wie sie sind, gäbe es so viel weniger Probleme.
Ich will nicht sagen, dass ich das nicht tue, aber ich finde,
jeder sollte dieses Buch lesen und einmal darüber nachdenken,
vielleicht sieht man dann alles ganz anders.
John Green weiß wirklich, wie man schreibt. Das Buch ist fantastisch!

Leser ♥

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Hallo, ich bin Sarah, komme aus Leipzig und teile hier einen Teil meiner Erfahrungen, die ich während meines Auslandsaufenthaltes in Kuala Lumpur mache. Ich mag es zu reisen egal wohin; mein liebstes Ferienziel ist die Ostsee. bin ich gerade mal nicht unterwegs beschäftige ich mich viel mit kunst, der mode und dem zeichnen.

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